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Vortrag und Diskussion: In memoriam an einen Antifaschisten

Vortrag und Diskussion: In memoriam an einen Antifaschisten  
Jo Behrendt
From:Jo Behrendt
Subject:Vortrag und Diskussion: In memoriam an einen Antifaschisten
Date:Tue, 11 Jan 2005 15:59:19 +0100
Vortrag und Diskussion

Donnerstag, den 13. Januar 2005

19:30 Uhr, Max & Moritz, Oranienstraße 162, Berlin


Theo van Gogh und die multikulturelle Gesellschaft
In memoriam an einen Antifaschisten

Zwei Monate nach dem Mord an Theo van Gogh sind sich mit DJane Ipek alle
einig, daß er das Opfer eines Einzeltäters geworden sei, und mit
Kanak-Attak-Gründer Feridun Zaimoglu, daß van Gogh mit seiner
Islamkritik längst eine Grenze überschritten hätte und zwar die des
guten Geschmacks. Die Heroine des sinnfreien Ressentiments in
postmoderner Absicht, Katja Diefenbach, rumort etwas von einer
kapitalistischen Überschreitungskultur, der er angehangen habe, um sich
zu entäußern und entgrenzend voranzuschreiten. In der Jungle World, weiß
man, daß seine Freunde Verbindungen nach rechts hätten. Wieder andere
werden nicht müde, darauf hinzuweisen, van Gogh sei Antisemit gewesen,
womit über seine Ermordung durch einen Islamfaschisten wohl kein Wort
mehr zu verlieren ist. In der Interim heißt es zusammenfassend: Das
solche Personen aus einer antirassistischen und antifaschistischen, aber
auch antiistischen Perspektive bekämpft werden müssen – sollte
Konsens sein, über die Mittel läßt sich trefflich streiten. Sein Mörder
hätte eine gute Begründung aus seiner Betroffenheit als gesellschaftlich
marginalisierter religiöser Moslem wohl allemal gehabt, um zu tun, was
er getan hat.

Was ist schon hängen geblieben? Da gab es einen Film namens
„Submission“, der als istisch abgestempelt wurde. Da war das Wort von
„Allahs Ziegenfickern“, das als klar rassistisch taxiert wurde und da
gab es drei zwischen 11 und 20 Jahre alte antisemitische Bemerkungen.
War da sonst noch was? Die Kleinigkeit von ca. 20 zum Teil
preisgekrönten Filmen, Hunderte von Kolumnen und öffentlichen
Auftritten, eine Trauerkundgebung mit fast 50.000 Teilnehmern jeder
Herkunft und aus allen politischen Lagern. Und ganz am Rande seine
Mitstreiterin und Freundin, die Parlamentsabgeordnete und
Drehbuchautorin Ayaan Hirsi Ali, die lange vor Theo van Gogh von
Islamisten ermordet worden wäre, lebte sie nicht in ständig wechselnden
Verstecken im eigenen Land.

Höchste Zeit, zu erklären wer Theo van Gogh wirklich war, was er
überhaupt gesagt und geschrieben hat, wer ihn mit dem Tode bedrohte und
wie er zu Tode gehetzt wurde, im freiesten und multikulturellsten Land
Europas. Denn soviel ist sicher: Alle scheinen Bescheid zu wissen über
Theo van Gogh, alle sind sich einig, daß „so einer“ keine Solidarität
verdient, und sie alle haben definitiv keine Ahnung, über den „gesunden
Raucher“, wie er sich selbst nannte.

Wer von den vielen kritischen Linken, darunter auch den Freunden
Israels, brächte hierzulande, wo die Gefahr weit geringer ist als in den
Niederlanden, den Mut auf, über die grünen Nazis und Antisemiten zu
sagen, was Theo van Gogh angesichts einer wahren Flutwelle von
Morddrohungen bis wenige Tage vor seinem Tod publizierte? Theo van Goghs
außergewöhnliches Leben und sein atemberaubender Feldzug gegen die
Islamisierung sind nicht zu trennen. Er ist in seinen komischen,
sentimentalen, kämpferischen und manchmal auch ausgesprochen abstoßenden
Seiten sicher nicht als Identifikationsfigur geeignet, er wäre zu
Lebzeiten der erste gewesen, der mit Hohn und Spott auf jede
Beweihräucherung seiner Person reagiert hätte.

Und doch ist es höchste Zeit auch einmal in Deutschland den Hut zu
ziehen, vor einem mutigen Antifaschisten, einem Unterstützer Israels und
dem kompromißlosen Freund Ayaan Hirsi Alis.

Redaktion Bahamas

Donnerstag, den 13. Januar 2005
19:30 Uhr, Max & Moritz, Oranienstraße 162, Berlin


jb


--
"Wir müssen es unbedingt schaffen, den jungen Neonazis, das sich von
ihnen erschlichene und fast schon zur Romantik verklärte Image vom
toughen, harten, einsamen Kämpfer gegen das Establishment zu nehmen und
sie endlich als das hinstellen, was sie wirklich sind: Dumme,
kleingeistige, feige und asoziale Elemente unserer Gesellschaft."
Campino (Tote Hosen)
   

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