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 | | From: | Gerhard Amberger | | Subject: | Skispringer | | Date: | 15 Dec 2004 17:22:15 GMT |
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 | Hallo Leute, warum müssen die Skispringer alle Hungerhaken sein?
1. Beim Anlauf müsste doch ein größeres Körpergewicht Vorteile bringen, da die Hangabtriebskraft größer wird.
2. Der Sprung von einer Schanze ist doch vergleichbar mit einem "waagrechten Wurf". Soweit ich mich noch an meinen Physikunterricht erinnere, spielt die Masse des Wurfkörpers beim "waagrechten Wurf" keine Rolle.
Wo liegt mein Denkfehler? mfg
-- Gerhard Amberger
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 | | From: | Michael Dahms | | Subject: | Re: Skispringer | | Date: | Wed, 15 Dec 2004 20:55:53 +0100 |
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 | Gerhard Amberger wrote: > > 1. Beim Anlauf müsste doch ein größeres Körpergewicht Vorteile bringen, da > die Hangabtriebskraft größer wird.
Die Trägheit wird auch größer.
> 2. Der Sprung von einer Schanze ist doch vergleichbar mit einem > "waagrechten Wurf". Soweit ich mich noch an meinen Physikunterricht > erinnere, spielt die Masse des Wurfkörpers beim "waagrechten Wurf" keine > Rolle. > > Wo liegt mein Denkfehler?
Die Skispringer /springen/, und die Ski wirken als Tragfläche.
Michael Dahms
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 | | From: | Gerhard Amberger | | Subject: | Re: Skispringer | | Date: | 17 Dec 2004 17:11:02 GMT |
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 | Hallo Michael, hallo Leute, danke für die Antworten.
Michael Dahms wrote:
> Gerhard Amberger wrote: >> >> 1. Beim Anlauf müsste doch ein größeres Körpergewicht Vorteile >> bringen, da die Hangabtriebskraft größer wird. > > Die Trägheit wird auch größer.
Zustimmung.
>> 2. Der Sprung von einer Schanze ist doch vergleichbar mit einem >> "waagrechten Wurf". Soweit ich mich noch an meinen Physikunterricht >> erinnere, spielt die Masse des Wurfkörpers beim "waagrechten Wurf" >> keine Rolle. >> >> Wo liegt mein Denkfehler? > > Die Skispringer /springen/, und die Ski wirken als Tragfläche.
Auch da muss ich zustimmen. Und wenn der Springer `nen Buckel macht, dann gibt es wegen Bernoulli sogar noch einen Auftrieb? Irgendwie kann ich mich nicht so ganz vom waagrechten Wurf trennen. Ich gehe davon aus, dass es eine Überlagerung beider Effekte ist. mfg
-- Gerhard Amberger
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 | | From: | Gernot Zander | | Subject: | Re: Skispringer | | Date: | Sun, 19 Dec 2004 20:17:25 +0000 (UTC) |
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 | Hi,
in schule.naturwissenschaften Gerhard Amberger wrote: > Hallo Michael, hallo Leute, > danke für die Antworten.
> Michael Dahms wrote:
>> Gerhard Amberger wrote: >>> >>> 1. Beim Anlauf müsste doch ein größeres Körpergewicht Vorteile >>> bringen, da die Hangabtriebskraft größer wird. >> >> Die Trägheit wird auch größer.
> Zustimmung.
>>> 2. Der Sprung von einer Schanze ist doch vergleichbar mit einem >>> "waagrechten Wurf". Soweit ich mich noch an meinen Physikunterricht >>> erinnere, spielt die Masse des Wurfkörpers beim "waagrechten Wurf" >>> keine Rolle. >>> >>> Wo liegt mein Denkfehler? >> >> Die Skispringer /springen/, und die Ski wirken als Tragfläche.
> Auch da muss ich zustimmen. Und wenn der Springer `nen Buckel macht, dann > gibt es wegen Bernoulli sogar noch einen Auftrieb? Irgendwie kann ich mich > nicht so ganz vom waagrechten Wurf trennen. Ich gehe davon aus, dass es > eine Überlagerung beider Effekte ist.
Ja natürlich. Durch den "Auftrieb" bekommt er eine zusätzliche Kraft, die ihn vom Hang wegdrückt, dazu kommt der Bodeneffekt kurz vor der Landung (beim Skifliegen besonders gut zu sehen). Zusammen mit der Sprungkraft, die aus dem waagerechten Wurf einen leicht nach oben macht, kann der Springer so die rechnerische Flugbahn verlängern. Verkürzend wirkt der Lufwiderstand, der die Bahn von einer Parabel zu einer ballistischen Kurver verkürzt, hier ist an sich größere Masse von Vorteil, aber offenbar wirken die beiden ersten Effekte stärker (auch weil die Skilänge an das Körpergewicht gekoppelt ist). (Auftrieb in "", weil die Richtung der Kraft nicht nach oben geht, sondern eher leicht nach vorn-oben, senkrecht zur Flugbahn immer mehr in den Bereich "vorn" wandernd, je tiefer der Springer runterkommt.)
Entscheidend sind Absprung-Punkt, -Richtung, Körperhaltung und Skiführung in Abhängigkeit von der Zeit, also dem erreichten Punkt der Flugbahn... Leider sind das so viele Faktoren, dass Martin das im Moment nicht hinkriegt:-) Das Dumme dabei noch: Für den besten Absprung muss man Karate- mäßig alle Kraft im richtigen Moment mobilisieren. Dabei be- steht aber die Gefahr, die Richtung zu verreißen... (Was beim Ziegelsteinhaufen egal ist.)
mfg. Gernot
-- (Gernot Zander) www.kabelmax.de *Keine Mailkopien bitte!* Gott schuf zuerst die Idioten. Zur Übung. Dann schuf er die Beamten.
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 | | From: | Peter Niessen | | Subject: | Re: Skispringer | | Date: | Wed, 15 Dec 2004 21:27:08 +0100 |
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 | Am 15 Dec 2004 17:22:15 GMT schrieb Gerhard Amberger:
> Hallo Leute, > warum müssen die Skispringer alle Hungerhaken sein?
Müssen sie nicht :-) Und nun das ABER: > 1. Beim Anlauf müsste doch ein größeres Körpergewicht Vorteile bringen, da > die Hangabtriebskraft größer wird.
Nö! Alle Körper fallen im Vakuum gleich schnell. Das gilt auch für den Hang.
> 2. Der Sprung von einer Schanze ist doch vergleichbar mit einem > "waagrechten Wurf". Soweit ich mich noch an meinen Physikunterricht > erinnere, spielt die Masse des Wurfkörpers beim "waagrechten Wurf" keine > Rolle.
Was Du meinen mit keine Rolle? Bei gleicher Kraft wird ein doppelt schwerer Körper gewiss nicht die gleiche Strecke bewältigen. > Wo liegt mein Denkfehler?
Du hast dieses Gemisch aus O2/N2 (nennt man auch Luft) übersehen, das allen diesen Überlegungen einen Riegel vorschiebt!
#Mit freundlichen Grüßen Peter Nießen
-- | -O_O-? | Shepherd's Pike
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 | | From: | Carsten Kruse | | Subject: | Re: Skispringer | | Date: | Sat, 18 Dec 2004 16:50:27 +0100 |
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 | Gerhard Amberger wrote:
> Hallo Leute, > warum müssen die Skispringer alle Hungerhaken sein? > > 1. Beim Anlauf müsste doch ein größeres Körpergewicht Vorteile bringen, da > die Hangabtriebskraft größer wird.
Hier muss man den Luftwiderstand und die Reibung Ski-Schnee berücksichtigen (ohne Reibung sind ja alle Körper gleichschnell) Die Reibung der Skier ist durch die modernen Materialien recht gering; dies auch, da die Skier eine recht große Auflagefläche haben. Der Luftwiderstand spielt nennenswert erst im letzten Abschnitt eine Rolle, ist jedoch infolge der geduckten Körperhaltung auch von geringem Einfluss. Dennoch sollten hier schwerere Springer geringfügig im Vorteil sein. In Praxi sind die Variationen der Absprunggeschwindigkeit jedoch sehr gering und es scheint so, dass da die Haltung stärker durchschlägt, als die Masse.
> 2. Der Sprung von einer Schanze ist doch vergleichbar mit einem > "waagrechten Wurf". Soweit ich mich noch an meinen Physikunterricht > erinnere, spielt die Masse des Wurfkörpers beim "waagrechten Wurf" keine > Rolle. > > Wo liegt mein Denkfehler?
Auch hier ist das Medium Luft zu beachten. Der Springer geht mit ca. 90 km/h über den Bakken. Folglich spielt der Luftwiderstand eine Rolle. Der Springer versucht, möglichst gut auf dem Luftkissen, dass sich unter ihm ausbildet, zu gleiten. Dies wird übrigens durch die Skier gut unterstützt. Dabei sind Springer, die leichter sind, eindeutig im Vorteil. Dies bestätigt Dir übrigens auch jeder Fallschirmspringer. Wenn wir z.B. einen sog. Trackdive machen (siehe hierzu z.B. http://www.thur.de/~carsten/Fallschirm/ck-faq.html oder http://www.lmtm.de/skydivefaq ) dann haben die Skydiver etwa die Haltung wie ein Skispringer. Siehe auch dieses Bild: http://www.thur.de/~carsten/Fallschirm/Bilder/sascha03.jpg
Schwerere Springer haben dabei immer ein bissel zu tun, nicht abzusaufen. Dazu zieht man entweder flatterigere Sachen an (mehr Luftreibung = geringere Sikrate) oder aber (fly your body, not your suit) man nimmt eine Körperhaltung ein, die eine geringere Sinkrate erlaubt (sog. Floaten, man katzbuckelt ein bissel, vereinfacht gesagt)
Hoffe geholfen zu haben,
-- Bye/7, Carsten http://fallschirmspringen-in-gera.de
...."Be braver - join the Klingon Overhand Bowling Team."
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 | | From: | Bodo Mysliwietz | | Subject: | Re: Skispringer | | Date: | Thu, 16 Dec 2004 17:16:56 +0100 |
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 | Gerhard Amberger wrote:
> 2. Der Sprung von einer Schanze ist doch vergleichbar mit einem > "waagrechten Wurf". Soweit ich mich noch an meinen Physikunterricht > erinnere, spielt die Masse des Wurfkörpers beim "waagrechten Wurf" keine > Rolle. > > Wo liegt mein Denkfehler?
Du wirfst eine kleine Eisenkugel mit der Masse x waagerecht, das selbe machst Du mit einem Blatt Papier mit der Masse x und gleich großer Energiezufuhr. Welcher Körper fliegt/fällt wie weit/schnell?
-- Glück Auf - Bodo Mysliwietz ---------------------------------------- http://www.cneweb.de/home/chemietechnik/
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 | | From: | Gerhard Amberger | | Subject: | Re: Skispringer | | Date: | 17 Dec 2004 17:11:04 GMT |
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 | Hallo Peter, danke für die Antwort.
>> warum müssen die Skispringer alle Hungerhaken sein?
> Müssen sie nicht :-)
Doch, doch, wenn sie zur Weltelite gehören wollen, MÜSSEN sie - so zumindest wird es immer bei Reportagen behauptet. mfg
-- Gerhard Amberger
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 | | From: | Peter Niessen | | Subject: | Re: Skispringer | | Date: | Fri, 17 Dec 2004 23:24:08 +0100 |
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 | Am 17 Dec 2004 17:11:04 GMT schrieb Gerhard Amberger:
> Hallo Peter, > danke für die Antwort. > >>> warum müssen die Skispringer alle Hungerhaken sein? > >> Müssen sie nicht :-) > > Doch, doch, wenn sie zur Weltelite gehören wollen, MÜSSEN sie - so > zumindest wird es immer bei Reportagen behauptet. > mfg
Ok! Bei den heutigen Regeln ist ein dem Hungertod naher Sportler eindeutig im Vorteil. Ansonsten hast Du ja schon praktische Antworten bekommen.
Mit freundlichen Grüßen Peter Nießen -- | -$_$- Capitalist Cunning Pike
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 | | From: | Gerhard Amberger | | Subject: | Re: Skispringer | | Date: | 20 Dec 2004 16:28:40 GMT |
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 | Gernot Zander wrote:
>> Ich gehe davon aus, dass es eine Überlagerung beider Effekte ist. > > Ja natürlich. [usw.]
Hallo Gernot, vielen, vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Das ist ja wirklich eine Wissenschaft für sich. Dazu kommen noch die witterungsbedingten Unwägbarkeiten. Da ist es, finde ich, schon erstaunlich, dass manche Springer eine (mehr oder weniger) konstant gute Leistung bringen. mfg
-- Gerhard Amberger
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